Wilhelm Pfannenstiel

Pfannenstiel war im August 1942 zusammen mit Kurt Gerstein im Konzentrationslager Belzec, wo er Zeuge der verpfuschten Vergasung von Juden aus Lwów wurde, eine Episode, die Gerstein in den später so genannten Gerstein-Bericht aufnahm und die teilweise durch den Bericht des Wehrmachtsunteroffiziers Wilhelm Cornides bestätigt wird. Nach 1941 bekleidete Pfannenstiel den Rang eines SS-Obersturmbannführers. Er wurde 1944 zum SS-Standartenführer befördert.

Pfannenstiels unabhängige Aussage über das, was er gesehen hat, unterscheidet sich in mancher Hinsicht von der Gersteins, fügt aber dennoch ein gewisses Maß an Wahrhaftigkeit hinzu, da beide an diesem Tag anwesend waren und die Vergasung miterlebt haben. Die Aussage von Wilhelm Pfannenstiel vor dem Darmstädter Gericht am 6. Juni 1950 lautet:

Während die Juden hereingebracht wurden, wurden die Räume mit elektrischem Licht beleuchtet und alles verlief friedlich. Aber als das Licht ausgeschaltet wurde, ertönten laute Schreie im Inneren, die dann allmählich verstummten. Sobald alles wieder ruhig war, wurden die Türen in den Außenwänden geöffnet, die Leichen herausgeholt und, nachdem sie auf Goldzähne untersucht worden waren, in einem Graben gestapelt. – Wilhelm Pfannenstiel

Pfannenstiel könnte auch an der Durchführung medizinischer Experimente beteiligt gewesen sein. SS-Hauptsturmführer Sigmund Rascher, ein Arzt, der wegen Kriegsverbrechen in Dachau verurteilt wurde, schrieb ihm über einen früheren Briefwechsel, in dem es um die Verwendung von Häftlingen als menschliche Versuchskaninchen ging. Der Brief wurde im Nürnberger Ärzteprozess als Beweismittel eingeführt.

Hochgeschätzter Herr Professor, ich erlaube mir zu fragen, ob Sie noch immer daran interessiert sind, dass wir die Versuche am Menschen zur Förderung der Höhenresistenz durch Verabreichung von Vitaminen durchführen. Wenn ja, so bitte ich Sie inständig, sich an den Reichsforschungsrat und Chef der Geschäftsleitung Standartenführer SS Wolfram Sievers …. zu wenden, damit eine mobile Unterdruckkammer durch die Luftwaffe für Ihre und meine gemeinsamen Versuche beschafft werden kann… – Sigmund Rascher.

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