Fallbericht

Ein 73-jähriger Mann stellte sich mit beidseitigen Schulterbeschwerden vor. Obwohl das Auftreten seiner Beschwerden mit Anstrengung verbunden zu sein schien, traten keine Brustschmerzen auf. Einen Monat später wiederholten sich die Schulterbeschwerden bei einem Stresstest, jedoch wieder ohne Brustschmerzen. Die Angiographie zeigte eine signifikante koronare Herzkrankheit, so dass der Patient 2 Monate später für eine koronare Bypass-Operation angemeldet wurde.

Die präoperative Röntgenuntersuchung des Brustkorbs zeigte freie intraabdominale Luft, so dass die Bypass-Operation bis zum Abschluss der Untersuchungen abgesagt wurde.

Der Patient hatte keine Beschwerden über Bauchschmerzen, Fieber, Schüttelfrost, Appetitlosigkeit, Übelkeit oder Erbrechen. Sein Abdomen war aufgebläht und tympanitisch, aber es gab keine Empfindlichkeit oder tastbare Massen.

Die Röntgenaufnahme des Abdomens zeigte einen großen, zentralen, gasgefüllten Hohlraum, der einen großen Teil des Abdomens einnahm und den Dünndarm verdrängte (Abb. 1).

Abb. 1. Die Röntgenaufnahme zeigt eine große luftgefüllte Höhle, die einen Großteil des Abdomens einnimmt.

In der Folge entwickelte sich Fieber (Körpertemperatur 38,4°C). Die Leukozytenzahl betrug 17,2 х 109/L, aber in der Blutkultur wuchsen keine Organismen. Antibiotika wurden verabreicht.

Eine obere gastrointestinale Serie mit Gastrografin-Kontrastmittel erschien normal, aber eine Dickdarmuntersuchung zeigte eine Sigmadivertikelkrankheit mit Kontrastmittel in der Höhle (Abb. 2). Die Differentialdiagnose lautete Riesendivertikel des Dickdarms oder Abszess als Folge einer perforierten Divertikulitis.

Abb. 2. Die Abdomenaufnahme zeigt eine Divertikelkrankheit und eine große Masse (Pfeilspitzen), die Kontrastmittel enthält und den Dickdarm verdrängt. Der Pfeil zeigt eine mögliche Verbindungsstelle zwischen der zystischen Masse und dem Colon sigmoideum an.

Die Computertomographie bestätigt das Vorhandensein eines großen, dünnwandigen Hohlraums mit Luft-Flüssigkeitsspiegeln (Abb. 3) und einer möglichen Verbindung zum Colon sigmoideum.

ABB. 3. Die Computertomographie zeigt eine dünnwandige zystische Höhle mit Luft-Flüssigkeitsspiegeln und einer möglichen Verbindung zum Colon sigmoideum (Pfeil).

Die Laparotomie ergab eine 20 cm große, dickwandige Masse, die am transversalen Mesokolon und an der Wurzel des Dünndarmmesenteriums haftete. Sie hatte eine Verbindung zum Colon sigmoideum und war mit Eiter und Luft gefüllt. Es wurde eine Hartmann-Resektion durchgeführt. Die Gram-Färbung des Gewebes aus der Masse war unauffällig, aber in der Kultur wuchsen coliforme Organismen. Die pathologische Untersuchung bestätigte, dass es sich bei der Zyste um eine Abszesshöhle handelte, die pflanzliches Material enthielt, das dem Darminhalt entsprach. Der Befund im Colon sigmoideum stimmte mit einer perforierten Divertikulitis überein.

Die Schulterschmerzen des Patienten bei körperlicher Anstrengung nahmen postoperativ deutlich ab. Angesichts der verbesserten Symptome wurde die Koronararterien-Bypass-Operation verschoben.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.