Pearl Bailey

Als hemmungslose Sängerin, die mehr in ihre Auftritte steckte als jede andere Sängerin, wurde Pearl Bailey durch ihre Arbeit am Broadway, im Kabarett und in Hollywood berühmt. Baileys schwülstiger, undeutlicher Vortrag belebte so manchen altbackenen Standard, darunter „Baby It’s Cold Outside“ und ihren einzigen Hit „Takes Two to Tango“.

Die Tochter eines Predigers begann im Alter von drei Jahren zu singen (ihr Bruder, Bill Bailey, brachte ihr auch ein paar Tanzschritte bei). Bereits im frühen Teenageralter trat sie professionell auf, und nachdem sie einige Jahre als Tänzerin auf Tournee war, trat sie sowohl als Sängerin als auch als Tänzerin in Jazzbands von Noble Sissle, Cootie Williams und Edgar Hayes auf. Ab 1944 trat sie als Solokünstlerin auf und begeisterte das Nachtclub-Publikum mit ihrer entspannten Bühnenpräsenz und ihren humorvollen Sprüchen. Nachdem sie Mitte der 40er Jahre kurzzeitig Schwester Rosetta Tharpe in Cab Calloways Orchester ersetzt hatte, debütierte sie 1946 am Broadway in dem Musical St. Louis Woman. Bailey erhielt eine Auszeichnung als vielversprechendste Newcomerin und drehte 1947 ihren ersten Film, Variety Girl.

Obwohl es kein Hit war, steigerte ihre Version von „Tired“ (aus Variety Girl) ihr Ansehen in der Jazzgemeinde. In den 40er Jahren nahm sie für verschiedene Labels auf, darunter Columbia, und hatte schließlich 1952 einen Hit, nachdem sie bei Coral unterschrieben hatte. Ihre Version von „Takes Two to Tango“, begleitet von Don Redman’s Orchestra, erreichte die Top Ten. Im selben Jahr heiratete sie den Schlagzeuger Louie Bellson, der seine Stelle bei Duke Ellington aufgab, um ihr musikalischer Leiter zu werden. In den frühen 50er Jahren nahm Bailey mehrere Alben für Coral auf und spielte 1954 die Rolle einer Wahrsagerin in dem Film Carmen Jones. Es folgten weitere Hauptrollen in der W.C. Handy-Biopic St. Louis Blues sowie in der ersten Verfilmung von Gershwins Operettenklassiker Porgy and Bess.

Im Jahr 1959 führte ein neuer Plattenvertrag (mit Roulette) zu einem Richtungswechsel. Nachdem ihre doppeldeutige LP For Adults Only aus dem Radio verbannt worden war, wurde sie ein Verkaufsschlager und löste in den frühen 60er Jahren eine Reihe ähnlicher Alben aus. Sie trat weiterhin am Broadway auf und gewann 1970 einen Tony Award für ihre Titelrolle in Hello, Dolly! 1971 moderierte sie ihre eigene Fernseh-Varietéshow, zog sich aber einige Jahre später von ihren aktiven Auftritten zurück. Pearl Bailey wurde 1976 in die amerikanische Delegation bei den Vereinten Nationen berufen und 1988 mit der Medal of Freedom ausgezeichnet.

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